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Recruiting in Corona-Zeiten: Wie funktioniert eine digitale Karrieremesse?

Voraussichtliche Lesedauer: 4 Minuten

Die Sticks & Stones ist Europas größte LGBT+ Job- und Karrieremesse. Zusammen mit rund 80 Unternehmen geht sie 2020 neue Wege in Sachen Recruiting. Messegründer Stuart Cameron erzählt, welche.

Stuart, wie vielen anderen Messen hat auch euch die Corona-Krise in diesem Jahr einen Strich durch die Rechnung gemacht. Wie habt ihr auf die Situation reagiert?

Die Planung für die Sticks & Stones, die am 20. Juni 2020 in Berlin stattfinden sollte, war eigentlich schon abgeschlossen. Beziehungsweise wir waren kurz davor, sogar noch aufzustocken und zusätzlichen Platz anzumieten, weil die Nachfrage in diesem Jahr so hoch war. Doch dann kam Corona. Wir haben von Anfang an die Ausbreitung des Virus weitsichtig beobachtet und schon geahnt, dass Großveranstaltungen wohl bald nicht mehr möglich sind. Im Team wurde dann recht schnell beschlossen: Eine Alternative muss her. Denn Absagen oder Verschieben wäre für unsere Firma wirtschaftlich schwierig geworden. Also haben wir entschieden, alles auf online umzustellen und die Sticks & Stones Digital, die eigentlich erst 2021 getestet werden sollte, vorzuziehen. Innerhalb von zwei Monaten haben wir alles komplett umgeplant. Auf das Ergebnis sind wir sehr stolz.

Sticks & Stones-Gründer Stuart Cameron, Foto: Uhlala Group

Wie bildet man denn eine stationäre Messe digital nach?

Im Prinzip funktioniert das Ganze wie eine „normale“ Jobmesse. Denn wie es auch Location-Anbieter gibt, so gibt es auch Anbieter von Online-Locations. In unserer findet sich alles, was man auch sonst von der Sticks & Stones kennt: Ausstellerstände, Vorträge, Karriere-Coachings, eine Community Area. Als Besucher*in durchläuft man die Messe aber nun eben in 2D.

Und wie gelangt man in diese virtuelle Karrierewelt?

Alles, was man braucht, ist ein Laptop oder ein Smartphone. Auf der Webseite der Sticks & Stones gibt es das „Eintrittsticket“. Dafür muss man sich ein digitales Profil anlegen, bestehend aus seinem Namen und zwei Links. Zum Beispiel zu seinem Profil bei LinkedIn, Xing oder Proudr, unserer LGBT+ Business & Networking App. Das war’s. Jetzt nur noch einloggen und man betritt das Messefoyer. Auch hier läuft alles wie bei einer „normalen“ Messe: Es gibt einen Infopoint und Hinweise darauf, in welche Richtung es zum Beispiel zu den Vorträgen oder den Ausstellern geht. Man klickt sich einfach durch. Alles sehr intuitiv.

Angenommen eine Studentin interessiert sich für ein Traineeprogramm beim Unternehmen XY. Wie kommt sie denn mit Personalverantwortlichen in Kontakt, die es ja hier nicht aus Fleisch und Blut gibt?

Sie geht einfach an den entsprechenden Messestand. Dort gibt es einen kleinen Roboter mit einem Chatfeld, über das man schreiben und in Kontakt treten kann. Geantwortet wird von realen Unternehmensvertreter*innen, also nicht von Chatbots. Will man noch einen besseren Eindruck vom Gegenüber gewinnen, kann das Unternehmen anbieten, über einen Link in den Videochat zu kommen. Ist gerade niemand am Stand verfügbar, kann auch eine Nachricht mit seinem Businessprofil hinterlassen werden. An den Messeständen findet man übrigens auch Beschreibungen und Videos der Unternehmen, Jobwalls, Infomaterial zum Download sowie – ganz wichtig – Online-Messe-Goodies.

Weg in die digitale Karrierewelt.

Wie ist denn die Resonanz der Unternehmen? Sind diese bereit für diese neue Form des Recruitings?

Die große Offenheit hat mich wirklich überrascht. Das liegt natürlich eindeutig an der Situation, an den Auswirkungen der Corona-Krise. Dadurch hat die Digitalisierung einen großen Schritt nach vorne gemacht. Die Mitarbeiter*innen der Unternehmen arbeiten nun selbst vermehrt im Home-Office und nutzen Tools, die Remote Work möglich machen. Es entwickelt sich gerade ein viel größeres Gefühl fürs Digitale. Die Vorbehalte gegenüber Formaten wie Online-Karrieremessen werden weniger. Und die Vorteile sprechen für sich: Man ist ortsunabhängig, hat keine langen Anfahrtswege, weniger Logistikaufwand und kann Talente in ganz Deutschland, Österreich und der Schweiz ansprechen.

Das große Plus einer stationären Messe ist jedoch der Face-to-Face-Kontakt und die Atmosphäre. Was habt ihr hier für Ideen, um das auszugleichen?

Über unsere App Proudr haben wir verschiedene Gruppen eingerichtet. Zum Beispiel für LGBT Women, Juristen oder Interessierte aus bestimmten Städte wie München, Hamburg oder Berlin. Dort kann man hervorragend netzwerken. Zudem gibt es jeden Tag um 17 Uhr eine Speed-Networking-Session. Geleitet wird diese von jeweils einer thematisch anderen Community. In sogenannten Breakout Rooms wird dabei via Video intensiv Networking betrieben. Zudem wird es eine Home-Office-Challenge geben. Dabei sollen die Leute Selfies von ihrem Messebesuch in unserem Stream posten und zeigen, wo sie sich gerade befinden: im Pool, im Park, auf dem Balkon, auf der Couch.

Theoretisch kann man die Sticks & Stones in diesem Jahr sogar im Schlafanzug „besuchen“. Sieht ja keiner…

Stimmt. Zumal bei uns eh das Motto „Come as you are“ gilt. Aber für den Videochat mit einem Verantwortlichen für das Recruiting sollte man sich dann doch lieber etwas anderes anziehen. (lacht)

Haben auch Sie etwas Interessantes aus der Welt von Personalmarketing, Employer Branding oder Recruiting auf Lager und möchten davon in einen Interview erzählen? Dann schreiben Sie uns gern eine Mail an redaktion@advising-solutions.com.

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