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Diese 10 HR-Trends bestimmen das Jahr 2022

Voraussichtliche Lesedauer: 8 Minuten

Foto: cottonbro/pexels.com

Das Unerwartete erwarten. Damit lassen sich die letzten zwei Pandemie-Jahre wohl am besten beschreiben. Und auch 2022 wird es wohl nicht so sein wie „vorher“. Doch nicht allein Covid-19 hat vieles in der HR-Welt verändert. Schon seit Jahren ist eine Personalrevolution im Gange. Durch die Digitalisierung, die demografische Entwicklung und – vor allem bei jungen Talenten – neue Sichtweisen auf das Thema Karriere. Um Nachwuchskräfte zu gewinnen und zu binden, sollten Personalabteilungen demnach 2022 einige wichtige HR-Trends auf dem Schirm haben.

1. HR-Trend 2022: Der Markt ist mehr und mehr kandidatengetrieben

Die „Machtverhältnisse“ auf dem Arbeitsmarkt haben sich seit einer Generation vollkommen verschoben. Traf früher eine begrenzte Anzahl an Stelle auf ein Heer von Suchenden, hat sich dieses Verhältnis in vielen Branchen ins Gegenteil verkehrt. Früher hatten es Unternehmen recht einfach: eine Employer Brand aufbauen, diese durch Personalmarketing nach außen tragen, durch die große Nachfrage auf Bewerbungen warten oder durch etwas Recruiting kinderleicht die besten Talente gewinnen. Heute liegt das Zentrum aller Maßnahmen jedoch ganz woanders: nämlich bei den Arbeitnehmer*innen, vor allem den gut qualifizierten.

2. HR-Trend 2022: Kandidat*innen selektieren verstärkt

Diese Entwicklung führt dazu, dass nicht mehr jeder Job angenommen wird, nur weil das Geld stimmt. Sinnhaft muss dieser sein und wirklich zu einem passen. Innovation, Aufstiegschancen und ein Arbeitspensum, das auch ein gutes Maß an Freizeit ermöglicht, werden immer ausschlaggebender. Man weiß, was man kann, und fordert dafür auch etwas. Man ist wählerisch und wartet gegebenenfalls auch etwas, bis eine interessante Stelle gefunden ist. Auf einen renommierten Unternehmensnamen kann sich heute nicht mehr verlassen werden. Denn auch ein KMU ist durchaus in der Lage, die Wünsche zu erfüllen.

Alles, was in den Bereichen Employer Branding, Personalmarketing und Recruiting getan wird, muss sich daher an den gesuchten Talente orientieren. Ihre Bedürfnisse müssen stets mitgedacht werden. Und das erfordert unter Umständen, die bis dato bewährte Taktik zu ändern. Passt die bisherige Arbeitgebermarke zum Zeitgeist, wo gibt es Schnittmengen, die noch nicht fokussiert wurden? Ist man wirklich überall dort präsent, wo man jungen Talenten begegnen kann? Ist die Karriere-Webseite nutzerfreundlich und zielgruppenorientiert gestaltet? Laufen Bewerbungsprozess und Candidate Experience ausreichend simpel und optimal? Dies sind einige Fragen, deren Antworten man sich 2022 stellen sollte.

3. HR-Trend 2022: Recruiting – proaktiv statt reaktiv

Eine Stelle wird im Unternehmen frei und erst jetzt beginnt die Suche nach Ersatz – diese Zeiten sind vorbei. Heutzutage muss Fluktuation und Personalmangel stets mitgedacht und die Talentakquise als Prozess ohne Anfang und Ende betrachtet werden. In vielen Branchen dauert diese schlichtweg länger als früher, was zu Umsatzeinbußen und zusätzlichen Stress für bestehende Mitarbeiter*innen führen kann. Ratsam ist es daher, einen Pool an potenziellen Kandidat*innen aufzubauen und zu pflegen, um im Fall der Fälle der Konkurrenz zuvorzukommen. Weitsichtig sollte bei qualifizierten Talenten bereits früh Werbung für das eigene Unternehmen gemacht werden, sollte die Ansprache von Studierenden rechtzeitig beginnen, sollte man den Kontakt über berufliche Netzwerke herstellen und das Interesse über crossmedial verbreiteten Content wecken. Wird dann eine Stelle vakant, bietet der Pool einen Vorsprung – und es muss nicht bei Null angefangen werden.

4. HR-Trend 2022: Sich breit aufstellen durch Multi-Channel-Marketing

Immer nur in einem Teich zu angeln, bedeutet: Man erhält nur eine begrenzte Art von Fischen oder läuft sogar Gefahr, dass durch Mangel irgendwann gar keiner mehr anbeißt. Ähnliches gilt auch für den heutigen Arbeitsmarkt, auf dem viele Unternehmen um eine begrenzte Zahl von Talenten buhlen. Um die Reichweite vor allem in der jungen Zielgruppe zu erhöhen, sollte daher mehr getan werden, als Stellen auszuschreiben und auf Bewerbungen zu warten. Neben bewährten Maßnahmen im Personalmarketing, Employer Branding und Recruiting (z. B. Karrieremessen, Online-Ads, Anzeigen in Hochschulmagazinen) könnten so neue Medien strategisch ausprobiert werden. Denkbar wäre „TikTok Resumes“, eine neue, kreative Form der Personalbeschaffung, anhand der Kandidat*innen ihre Lebensläufe per Video präsentieren. Oder aber ein verstärktes Engagement in Sachen Influencer-Marketing, beispielsweise via Instagram. Mitarbeiter*innen können hier als Botschafter des Unternehmens und durch einen authentischen Blick hinter die Kulissen zum Bewerben animieren.

5. HR-Trend 2022: Stärkerer Fokus auf Employer Branding

Ob gut gemachte Karriere-Webseite, aussagekräftiger Content oder Anzeigen mit klarer Botschaft: Das Transportieren einer wirksamen und wiedererkennbaren Arbeitgebermarke in die Öffentlichkeit wird von Jahr zu Jahr relevanter. Denn Bewerber*innen – besonders junge – finden es immer wichtiger, was ein Unternehmen ausstrahlt, und werden immer anspruchsvoller, wenn es um Themen wie angemessene Entlohnung, Jobsicherheit, Work-Life-Balance, Aufstiegschancen oder Unternehmenskultur geht. So berücksichtigen rund drei Viertel von ihnen die Employer Brand, bevor sie sich bewerben. Heißt: Mit einem starken und positiven Image ziehen Unternehmen bis zu 50 Prozent mehr qualifizierte Bewerber*innen an. Zudem kann Employer Branding die Cost-per-Hire um 50 Prozent senken. Maßnahmen rund um das Werteversprechen können somit in einen echten Wettbewerbsvorteil gegenüber Branchenkonkurrenten münden. Wichtig dabei jedoch: Das Ganze muss authentisch, ehrlich und ohne „Schönfärberei“ auskommen. Machen Mitarbeiter*innen in der Praxis nämlich ganz andere Erfahrungen, tun sie das auch kund. Zum Beispiel auf Bewertungsplattformen wie kununu oder Glassdoor.

6. Hr-Trend 2022: Fokus auf Gleichberechtigung, Diversity und Nachhaltigkeit

Vor allem junge Bewerber*innen betrachten das Monetäre nicht mehr als den wichtigsten Aspekt bei der Entscheidung für einen Job. Gleichbehandlung der Geschlechter und Vielfalt im Unternehmen haben für sie eine ebenso große Bedeutung. Offenheit ist daher der Unternehmenswert der Stunde. Hinsichtlich ethnischer Zugehörigkeit und religiöser Überzeugung, Bildung und sozioökonomischem Hintergrund, Behinderung, Geschlechtsidentität und sexueller Orientierung. Dies „zahlt“ sich auch aus: Unternehmen, in denen diverse Teams arbeiten, sind erfolgreicher als solche, in denen der alte „Einheitsbrei“ vorherrscht. Zudem wird das Engagement für Nachhaltigkeit immer wichtiger. Jedoch so, dass es mehr ist als nur ein Lippenbekenntnisse ist. So sollten diesem Ziel auch Taten folgen, zum Beispiel mit ersten Schritten in Richtung einer klimaneutralen Produktion.

7. HR-Trend 2022: Remote Work ist gekommen, um zu bleiben

Homeoffice gab es schon vor der Pandemie, aber erst jetzt hat sich diese Arbeitsform in vielen Bereichen und Branchen zu etwas Selbstverständlichem entwickelt. Diese Entwicklung nun wieder rückgängig zu machen, ist nicht ratsam. Denn die Möglichkeit der Remote- und Hybridarbeit beweist zum einen, dass Unternehmen Vertrauen in ihre Mitarbeiter*innen haben. Zum anderen hat sich gezeigt, dass die Produktivität im Großteil der Fälle nicht darunter leidet. Und: Schafft man eine professionelle Infrastruktur für das Zuhause-Arbeiten, vergrößerst sich der Bewerber*innen-Pool, da Ortunabhängigkeit gerade für die junge Generation ein echter Pluspunkt bei der Entscheidung für einen Job sein dürfte.

8. HR-Trend 2022: Benefits als Standard etablieren

Um sich als Arbeitgeber von der Masse abzuheben, muss heute etwas mehr geboten werden. Gutes Gehalt und kostenloses Mineralwasser im Pausenraum sind dabei aber nicht gemeint. Vielmehr geht es hier um Extras wie Weiterbildungs- und Aufstiegschancen, Essensgutscheine und Sportangebote, Hilfe bei der Kinderbetreuung oder beim Umzug. Solche Erfahrungen machen oft den Unterschied und unterstützen dabei, neue Mitarbeiter*innen zu gewinnen – und langfristig zu binden.

9. HR-Trend 2022: Effektive Personalsuche durch Automatisierung und KI

Neue technische Möglichkeiten werden auch in Zukunft die Personalbeschaffung weiter vereinfachen. Dazu gehören simple Prozesse wie das automatische Versenden von Antwortmails, vor allem aber künstliche Intelligenz (KI). Chatbots können das erste Gespräch mit Bewerber*innen führen und so das Bewerbungsverfahren erklären und einleiten. Auch Lebensläufe lassen sich mithilfe von KI nach notwendigen Qualifikationen vorselektieren. Das bedeutet weniger zeitraubende Verwaltungsarbeit und mehr Raum für die produktive Suche nach passenden Kandidat*innen.

10. HR-Trend 2022: Employee Wellbeing

Bei aller Technologie, die einen Großteil der Arbeit ausmacht und erleichtert: Letztendlich hat man es in Personalabteilungen Tag ein und Tag aus mit Menschen zu tun. Zugewandtheit und Einfühlungsvermögen sind daher wichtige Qualitäten. Sei es beim Erstkontakt mit Bewerber*innen oder durch eine – vor allem in Zeiten von Homeoffice – engmaschige und offene Feedbackkultur. Nur wer auch auf die geistige und körperliche Gesundheit seiner Mitarbeiter*innen achtet, wird neue gewinnen, Fluktuation vermeiden und Produktivität fördern.

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