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It’s a match! Wie die Jobmesse akademika Bewerber*innen und Unternehmen virtuell zusammenbringt

Foto: Anna Shvets/pexels.com

Voraussichtliche Lesedauer: 4 Minuten

Die Jobmesse akademika wird 2020 im digitalen Raum stattfinden. Doch wie kann das funktionieren? Wie ersetzt man die nun fehlende Live-Kommunikation zwischen jungen Akademiker*innen und potentiellen Arbeitgebern? Das erzählt Sabine Richter, Projektleiterin bei der WiSo-Führungskräfte-Akademie, dem Veranstalter der Online-Version akademika ahead.  

Frau Richter, Corona hat die stationäre Messewelt derzeit komplett lahmgelegt. Wie haben Sie als Jobmesse-Veranstalter diese Zeit bisher erlebt?

Wie alle haben wir erstmal abgewartet und gehofft, dass es nicht so schlimm kommen wird. Es war dann aber schnell klar, dass wir die akademika in Nürnberg im Mai absagen müssen. Und als dann deutlich wurde, dass es mit einer Durchführung der akademika in Augsburg im Herbst auch sehr schwierig werden würde, war klar, dass wir uns nach alternativen Konzepten umsehen müssen. Dass eine digitale Umsetzung möglich ist, daran haben wir nie gezweifelt. Entscheidend war, einen Weg zu finden, der schnell, nutzerfreundlich und effizient ist – und im besten Falle auch noch Spaß macht.

Wie sind Sie denn an die Konzeption von akademika ahead herangegangen? Was sollte man bei einer digitalen Messevariante unbedingt bedenken?

Wir haben natürlich erst einmal alles gesichtet, was es an digitalen Messeformaten so gibt. Bei den meisten Konzepten wurde sehr aus Veranstalterperspektive gedacht. Es wurde eine Messe mit Foyer, Messehallen und -ständen und allem Drum und Dran auf den Bildschirm gebracht. Einige hatten sogar die Idee von digitalen Give-aways. Teilweise wurde das auch sehr schön umgesetzt – und trotzdem: Wir waren der Meinung, dass kein Mensch einen virtuellen Messestand mit einem Avatar braucht, damit Bewerber und Unternehmen die Möglichkeit haben, sich kennenzulernen. Dass dies alles ablenkt von dem, worum es bei der akademika wirklich geht: ums Matching. Es geht schlichtweg darum, dass sich zwei passende Gegenstücke finden und Kontakt zueinander aufbauen können. Und darauf haben wir es dann auch reduziert.

Und wie kommen bei Ihnen Unternehmen und Studierende beziehungsweise Absolvent*innen zusammen? Was ist das Besondere an akademika ahead?

Die Jobmesse akademika ahead funktioniert ähnlich wie eine sehr bekannte Dating-App. Sowohl Unternehmen als auch Bewerber pflegen online ein Profil ein mit allen relevanten Informationen. Auf dem Bildschirm kann man dann durch die Profile swipen und die Gegenseite entweder liken oder disliken. Haben sich zwei Parteien gegenseitig ein Like gegeben, kommt es zum Match und es kann gechattet werden. Das Ganze ist ergänzt um Filterfunktionen, sodass man vorab bereits eine Vorauswahl treffen kann und nicht alle Profile durchgehen muss. Der Matchingprozess läuft seit dem 1. November 2020 und endet dann in den Videochats an den beiden Eventtagen am 24. und 25. November 2020. Per Chat können die Matches Termine für diese beiden Tage vereinbaren, an denen man sich dann per Videochat das erste Mal persönlich kennenlernt. Zusätzlich werden den Bewerbern an den beiden Eventtagen noch Services rund um das Thema Karriere und Bewerbung geboten, wie zum Beispiel Coachings und CV-Checks. Auch diese natürlich per Videochat. Weiterhin wollten wir nicht auf unser tolles Vortragsprogramm verzichten, dass wir immer hatten und bieten auch dieses an den beiden Eventtagen – natürlich online – an. Es reden Personaler, Coaches und Bewerbungsprofis über ihre Unternehmen, über Karriere, Auswahlverfahren und New Work-Modelle.

Was sind Ihrer Meinung nach die jeweiligen Vor- und Nachteile einer stationären beziehungsweise digitalen Jobmesse?

Vieles geht digital schneller, mit weniger Aufwand und damit kostengünstiger. Wenn man bedenkt, was allein die Anreise zu so einer Jobmesse für ein Aufwand ist. Und trotzdem stellen wir im Moment ja überall – ob privat oder beruflich – fest, dass ein Sozialleben per Videochat nur schwer möglich ist. Es fehlen einfach dann doch noch einige Aspekte, die menschliche Kommunikation vollständig machen. Das ist bei uns natürlich auch nicht anders.

Wie gehen denn die Aussteller mit dieser neuen Situation um? Sind diese offen für neue Formate und wollen weiterhin „ausstellen“?

Natürlich suchen auch die HR-Abteilungen der Unternehmen nach neuen Wegen und zeigen sich auch sehr offen neuen Konzepten gegenüber. Den Unternehmen ist bewusst, dass dies eine Zeit ist, um zu experimentieren. Und das tun wir gemeinsam. Einiges wird nicht funktionieren, aber vieles wird sich durchsetzen und ausbauen lassen.

Angenommen Corona ist in den kommenden Monaten Geschichte und Vor-Ort-Messen sind wieder möglich. Was werden Sie aus dieser Krise für die Zukunft mitnehmen?

Tatsächlich beschäftigen wir uns genau mit dieser Frage im Moment bei der Planung für das kommende Jahr. Eine digitale Messe als Dauerlösung, ein „Hybrid“ oder die Rückkehr zum altbewährten Messeformat – sicher werden wir alle drei Varianten gegeneinander abwägen. Ich bin mir sicher, dass das stationäre Format der Jobmesse – sollte es wieder möglich sein – wieder seinen Platz findet. Ich bin mir aber auch sicher, dass jetzt viele digitale Formate entwickelt werden, die ebenfalls ihre Existenzberechtigung haben und auch von Dauer sein werden. Spannend ist es in jedem Fall.

Haben auch Sie etwas Interessantes aus der Welt von Personalmarketing, Employer Branding oder Recruiting auf Lager und möchten davon in einen Interview erzählen? Dann schreiben Sie uns gern eine Mail an redaktion@advising-solutions.com.

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