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Hochschulmarketing on point: die CAMPUS-Tüte

Voraussichtliche Lesedauer: 4 Minuten

Tatjana Heinl und Oliver Löchtermann sind Gründer von CAMPUSdirekt, einer Agentur für Hochschulwerbung und Hochschulmarketing. Sie und ihr Team organisieren zum Beispiel Promotions, Plakatwerbung oder Gamification-Events. In ihrer ehemaligen WG-Küche haben die beiden auch etwas erdacht, das wohl jeder Studierende kennt: die CAMPUS-Tüte. Und die kommt auch in Zeiten von Corona und geschlossenen Unis zur Zielgruppe.

Tatjana und Oliver, wie hat denn die Corona-Krise euer Business beeinflusst? Das lebt ja stark vom direkten Kontakt mit der Studentenschaft…

Oliver: An den Hochschulen und Universitäten sieht es aktuell so aus, dass die Frequenz in den Hörsaalgebäuden beziehungsweise Mensen nur etwa 10 bis 25 Prozent der ursprünglichen Frequenz vor dem Shutdown ausmacht. Viele Gebäude und Einrichtungen sind nach wie vor geschlossen. Daher war absehbar, dass wir die CAMPUS-Tüte nicht wie üblich als beliebte Live-Veranstaltung vor Ort an den Uni verteilen werden können.

Die Gründer der Hochschulmarketing-Agentur CAMPUSdirekt
CAMPUSdirekt-Gründer*innen Löchtermann und Heinl

Wie habt ihr das Problem gelöst?

Oliver: Ganz einfach: Wenn die Studierenden nicht zur CAMPUS-Tüte kommen können, dann kommt die CAMPUS-Tüte eben zu den Studierenden. Statt der CAMPUS-Tüte™ gibt es jetzt also die CAMPUS-Tüte™ – HOME. Wir haben flugs einen Online-Shop programmiert, der seit dem 27. April 2020 live ist. Um die Studierenden zu informieren, dass die CAMPUS-Tüte nun online bestellt werden kann, haben wir unsere sozialen Medien und Studierenden-Newsletter genutzt. Auch die CAMPUS-Tüte – HOME ist kostenlos. Nur die Versandkosten – ab 2,99 Euro je Tüte – müssen die Studierenden bezahlen. Bis Ende Mai haben wir schon rund die Hälfte aller Sommersemester-Tüten über unseren Shop versendet. Dass das so gut ankommt, freut uns riesig!

Generationen von Studierenden wurden schon durch die CAMPUS-Tüte im neuen Semester begrüßt. Wie seid ihr auf die Idee gekommen?

Oliver: Wir haben gemeinsam an der Uni in Bayreuth studiert. Ich BWL, Tatjana Sprachwissenschaften und Volkskunde. Irgendwann im Dezember 1997 saßen wir dann mal wieder in unserer WG beim Frühstück und haben ein bisschen rumgesponnen.

Tatjana: Dabei sind wir irgendwie auf das Thema „Initiation“ gekommen und auf all die Rituale, die es gibt, wenn es um einen Übergang geht. Von der Geburt bis hin zum bestandenen Abi: Immer gibt es Geschenke. Wenn man jedoch an Deutschlands Universitäten startet, findet nichts statt. Das ist nur ein bürokratischer Akt. Einschreiben und das war’s.

Oliver: Wir dachten, es wäre doch schön, auch diesen neuen Lebensabschnitt ein wenig zu feiern. Vielleicht mit einer Tüte, gefüllt mit Dingen, die man benutzen, essen oder trinken kann.

Tatjana: Also haben wir ohne großartiges Budget 1.000 Tüten bestellt, haben Willkommensflyer im Copyshop drucken lassen und die dann mit Tapetenkleister draufgeklebt. Danach mussten alle Freunde anrücken und mit uns im WG-Wohnzimmer die Tüten packen. Mit Produkten und Gutscheinen von 27 Kunden.

Oliver: Dann haben wir uns vor die Uni Bayreuth gestellt und sie verteilt. Dabei hat sich gezeigt: Unsere „Frühstücksidee“ ist ein Erfolg. Heute hat die CAMPUS-Tüte eine Auflage von 320.000 Stück, wird von Studierenden-Teams fünf Wochen lang rund um die Uhr gepackt und ist eine Institution am Semesterbeginn. Von A wie Aachen bis Z wie Zwickau.

Was ist eurer Meinung nach das Geheimnis, wenn man in jungen Jahren erfolgreich gründen will?

Tatjana: Die Idee sollte nicht zu verkopft sein. Sie sollte ein Problem lösen und einen Bedarf decken. Gute Gründerteams sind zudem möglichst divers. Unterschiedliche Charaktere und Fähigkeiten sind extrem wichtig. Hätte ich Oliver nicht, würde ich die Sache wohl finanziell an die Wand fahren. Im Gegenzug bringe ich das Kommunikative mit.

Oliver: Wer Risiko als Herausforderung betrachtet, ist als Gründer genau richtig. Man muss vom ersten Tag an 100 Prozent hinter seiner Idee stehen – ohne Plan B. Ich habe gleich zu Beginn meinen ersten Job wieder gekündigt und Tatjana hat ihre Promotion an den Nagel gehängt. Seitdem geben wir in Sachen Hochschulwerbung und Hochschulmarketing alles für unsere Kunden.

Was macht ihr hinsichtlich des wichtigen Themas Nachhaltigkeit?

Oliver: Wir haben uns von Anfang an bewusst dazu entschlossen, eine Papier- und keine Plastiktüte zu machen. Zudem unterstützen wir Umweltprojekte. So schaffen wir für Wasser und Holz – Ressourcen, die wir nutzen – einen gewissen Ausgleich.

Was sagt ihr Kritikern, die werbefreie Hochschulen fordern?

Tatjana: Völlige Werbefreiheit ist in unserer heutigen Zeit überhaupt nicht mehr umsetzbar. Man kann doch Studierende in keine Blase packen und sie auf dem Unigelände davon abschirmen. Unserer Meinung nach ist das schlichtweg das Recht auf Information. Was ist falsch daran, über neue Produkte, Karrierechancen oder Jobmessen zu informieren? Die Studierenden sind doch in einer vielfältigen Medienlandschaft aufgewachsen und können selektieren. Werbung und Hochschulmarketing finden im digitalen Zeitalter sowieso immer ihren Weg.

Was plant ihr für die Zukunft?

Oliver: Von der Party einer bestimmten Fachschaft bis hin zur Karrieremesse: Es gibt zahllose Events, die für Studierende interessant sind. Eine Online-Plattform, auf der man diese gesammelt findet, existiert jedoch nicht. Deshalb werden wir bald eine solche launchen.

Haben auch Sie etwas Interessantes aus der Welt von Personalmarketing, Employer Branding oder Recruiting auf Lager und möchten davon in einen Interview erzählen? Dann schreiben Sie uns gern eine Mail an redaktion@advising-solutions.com.

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