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Hays-Fachkräfte-Index: Starke Nachfrage bei IT und Engineering

Voraussichtliche Lesedauer: 5 Minuten

Foto: Lukas/pexels.com

Seit 2015 gibt der Hays-Fachkräfte-Index – Hays ist ein internationaler Personaldienstleister – quartalsweise Auskunft über die Lage am Arbeitsmarkt. Dabei im Fokus: die stärksten Branchen und deren Bedarf an neuen hochqualifizierten Mitarbeiter*innen. Grundlage ist die Anzahl von Stellenanzeigen in Online-Jobbörsen, Tageszeitungen und im beruflichen Netzwerk XING. Als Blaupause dient das 1. Quartal 2015 mit einem Indexwert von 100.* Seitdem besonders stark gestiegen: die Nachfrage nach Fachkräften für die Bereiche IT und Engineering.

IT-Fachkräften gefragt wie nie

Gegenüber dem Vorquartal stieg der Hays-Fachkräfte-Index für IT-Positionen im 4. Quartal 2021 um 10 Punkte auf einen Wert von 239. Seit Beginn der Erhebung Anfang 2015 werden somit mehr als doppelt so viele IT-Kräfte gesucht – nämlich aktuell mehr als 100.000. Zudem ist es der höchste, jemals gemessene Wert. Grund ist natürlich die Digitalisierung, zusätzlich angetrieben durch die Corona-Pandemie.

Referenzwert: Quartal 1/2015 = 100 / Veränderung: relativ zu dem Referenzwert in Quartal 1/2015
© Hays 2022 / Quelle: index Internet und Mediaforschung GmbH

Unterschiede zeigen sich indes, wenn man die untersuchten Positionen betrachtet. Die deutlichsten Zuwächse gab es bei IT-Security-Spezialist*innen (+38 Punkte auf 524, eine Verfünffachung gegenüber 2015!), den Entwickler*innen von Embedded-Systemen (+27 Punkte auf 223), IT-Administrator*innen (+24 Punkte auf 177) und IT-Berater*innen (+22 Punkte auf 205). Sinkende Index-Werte verzeichnen dagegen Web-Entwickler*innen (-38 Punkte auf 238) und Java-Entwickler*innen (-14 Punkte auf 181).

Egal, welche Branche oder Position: überall wächst der Bedarf

Ein genauerer Blick lohnt auch bei den verschiedenen Branchen. Massive Bedarfszuwächse verzeichnen zum Beispiel Handel (+61 Punkte auf 270) und die Personaldienstleister (+53 Punkte auf 184). Stark rückläufige Index-Werte zeigen sich hingegen in der IT-Branche (-96 Punkte auf 268) und der Automobilindustrie (-45 Punkte auf 136). Allerdings: Beide Branchen hatten im 3. Quartal 2021 überproportional viele Stellen veröffentlicht. So erscheinen die Werte für das aktuelle Quartal wie eine Korrektur, aber nicht wie ein Abflachen der Nachfrage.

Vergleicht man jedoch das 4. Quartal 2021 mit dem Vorjahresquartal sind die Index-Werte für alle Positionen und Branchen gestiegen. Dreistellige Zuwächse verzeichneten IT-Security-Spezialist*innen (+215 Punkte auf 524), Datenbankentwickler*innen (+167 Punkte auf 385) und IT-Architekt*innen (+128 Punkte auf 320). In drei Branchen stieg der Index-Wert sogar dreistellig: im sonstigen verarbeitenden Gewerbe (+135 Punkte auf 267), im Handel (+132 Punkte auf 270) und im Maschinenbau (+112 Punkte auf 201).

Nachfrage nach Ingenieur*innen auf dem Höchststand

Ein ähnliches Bild zeigt der Hays-Fachkräfte-Index beim Engineering. Hier stieg der Bedarf im 4. Quartal 2021 gegenüber dem Vorquartal um 24 Punkte auf einen Wert von 180. Damit ist dieser der mit Abstand höchste Wert, der gegenüber dem Vergleichszeitraum Anfang 2015 je gemessen wurde. Eine mehr als erfreuliche Entwicklung, nachdem die Zahl der Stellenangebote für Ingenieur*innen durch die Corona-Pandemie zwischenzeitlich unter das Startniveau des Jahres 2015 eingebrochen war. Der Rückgang scheint kompensiert – und der „War of Talents“ wieder angefacht.

Referenzwert: Quartal 1/2015 = 100 / Veränderung: relativ zu dem Referenzwert in Quartal 1/2015
© Hays 2022 / Quelle: index Internet und Mediaforschung GmbH

Auch fast alle Positionen des Engineering-Bereichs waren im 4. Quartal 2021 stärker gesucht als im Vorquartal. Den massivsten Anstieg des Index-Werts verzeichneten Chemieingenieur*innen (+48 Punkte auf 171), Entwicklungsingenieur*innen Elektrik (+34 Punkte auf 139), Bauingenieur*innen (+30 Punkte auf 323) und Entwicklungsingenieur*innen der Mechatronik (+30 Punkte auf 163).

Verglichen mit 2015 erreichten vor allem die Index-Werte von Bauingenieur*innen, Automatisierungsingenieur*innen (+18 Punkte auf 232) und Planungsingenieur*innen (+18 Punkte auf 223) erneut Höchstwerte. Gründe für diese Entwicklung sind die anhaltend hohe Bautätigkeit sowie die Digitalisierung.

Vor allem Baugewerbe sucht händeringend

Betrachtet man die einzelnen Branchen, zeigt sich im 4. Quartal 2021 verglichen mit dem Vorquartal ein Anstieg in sieben von neun Branchen. Am stärksten wuchs der Hays-Fachkräfte-Index im Baugewerbe (+46 Punkte auf 284) und in der öffentlichen Verwaltung (+40 Punkte auf 305). Verluste verzeichnet dagegen die Automobilindustrie (-8 Punkte auf 87) und die IT-Branche (-130 Punkte auf 219). Der Index-Wert der Automobilindustrie bleibt damit weiterhin absolut niedrig, was der massiven Transformation geschuldet sein dürfte. Die IT-Branche hat trotz des massiven Einbruchs noch den dritthöchsten Wert aller im Hays-Fachkräfte-Index analysierten Branchen.

Verglichen mit dem Vorjahresquartal ist die Nachfrage nach allen untersuchten Positionen deutlich gestiegen, am stärksten nach Automatisierungsingenieur*innen (+110 Punkte) und nach Bauingenieur*innen (+90 Punkte). Auch in fast allen Branchen legte der Index-Wert kräftig zweistellig zu – einzige Ausnahme war die IT-Branche (-20 Punkte).

*Beispiel: Für IT-Architekt*innen wurden im 1. Quartal 2015 2.343 neue Positionen veröffentlicht. Dieser Ausgangswert entspricht dem Indexwert von 100. Ein Indexwert von über 300 bedeutet, dass inzwischen mehr als drei Mal so viele Stellen wie im 1. Quartal 2015 veröffentlicht werden.

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