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„War of Talents“ durch Corona: Warum Hochschulmarketing gerade jetzt wichtig ist

Foto: Markus Winkler/unsplash.com

Voraussichtliche Lesedauer: 3 Minuten

Der Impffortschritt, fallende Beschränkungen und die Hoffnung, dass SARS-CoV2 bald endemisch wird: Die Corona-Krise flaut mehr und mehr ab. Auch in der Wirtschaft und am Arbeitsmarkt ist das deutlich spürbar. Laut Ifo-Institut stieg das Beschäftigungsbarometer zwischen Juni und September 2021 kräftigt um 4,1 auf 104,3 Punkte. Das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) kann sogar noch mehr Optimismus verbreiten: Dessen Arbeitsmarkbarometer wird für September mit 106,2 Punkten beziffert – und gehört damit zu den Höchstwerten, die seit Beginn der Aufzeichnungen im Jahr 2008 gemessen wurden.

Mehr Angebot als Nachfrage

Doch nicht nur die Zahl der Menschen, die in Lohn und Brot stehen, steigt. Auch die Zahl der konkreten Stellengesuche der Unternehmen nimmt zu. So lag der Stellenindex der Bundesagentur für Arbeit (BA) im September bei 124 Punkten und übertraf damit das Vorkrisenniveau von März 2020 um ganze zehn Punkte.

Ähnliches berichten Online-Jobplattformen wie StepStone. Die Anzahl der dort veröffentlichten Stellenanzeigen zog vor allem im zweiten und dritten Quartal 2021 deutlich an. Doch während Unternehmen verstärkt nach neuen Mitarbeiter*innen suchen, nehmen Suchanfragen beziehungsweise die Visits pro Position seitens möglicher Kandidat*innen ab. Das Gleiche gilt für die Zahl der begonnenen Bewerbungsprozesse. Laut HeyJobs, einem Berliner Recruiting-Tech-Unternehmen, kommen heute auf eine offene Stelle nur noch 0,88 aktiv Jobsuchende. Im Mai 2020 waren es noch 2,28. „Es ist heute doppelt so schwer, Personal zu finden wie vor einem Jahr“, sagt HeyJobs-CEO Marius Luther. Die Schere zwischen Angebot und Nachfrage öffnet sich mehr und mehr. Und das zugunsten der Arbeitnehmer*innen.

Studierende verschieben Berufseinstieg

Eine besondere Herausforderung dürfte es werden, Nachwuchskräfte zu rekrutieren. Gerade in Branchen, die sich – wie die Bereiche IT oder Ingenieurwesen – sowieso bereits im „War of Talents“ befinden und von Bewerber*innen-Mangel betroffen sind. Ein Grund: Hochschulabsolvent*innen steigen später ins Berufsleben ein. So gab in einer Umfrage, durchgeführt zwischen Dezember 2020 und Januar 2021, mehr als jeder dritte Studierende an, durch die Unsicherheiten der Corona-Krise länger studieren oder ein Zweitstudium beginnen zu wollen. Im schlimmsten Fall könnten dem Arbeitsmarkt so aktuell rund 170.000 Berufseinsteiger*innen fehlen.

„Wir sehen nicht nur einen Fachkräftemangel, wir sehen einen generellen Arbeitskräftemangel“, sagt Frank Hensgens, Deutschland-Chef von Indeed. Auf dem Jobportal nehmen vor allem offene Stellen im Finanzbereich (plus 22 Prozent) und im Bereich Wirtschaftsingenieurwesen (plus 21 Prozent) zu. Das Stellenvolumen beider Sparten übertrifft jetzt schon das Vorkrisenniveau.

Gute und zeitgemäße Arbeitsbedingungen immer wichtiger

Um junge Talente für sich zu gewinnen, sind demnach zwei Dinge wichtiger denn je: Zum einen das Unterbreiten guter Angebote, die man nicht ausschlagen kann. Das Gehalt spielt dabei eine Rolle, natürlich. Aber für viele mittlerweile nicht mehr die größte. Die Option auf Homeoffice, eine gute Work-Life-Balance, die Möglichkeit, Familie und Beruf miteinander zu vereinen, Aufstiegschancen, Wertschätzung, gelebte Diversität und ein Engagement für mehr Nachhaltigkeit – was früher „Nice-to-haves“ waren, wird heute vermehrt als selbstverständlicher Standard betrachtet. Als Zünglein an der Waage bei der Entscheidung für oder gegen einen Job.

Wahrnehmung steigern durch Hochschulmarketing & Co.

Zum anderen sollte man verstärkt Sichtbarkeit schaffen, um aus der Masse an Mitbewerbern herauszustechen. Denn die Voraussetzung, dass eine potenzielle Nachwuchskraft überhaupt vor einer Job-Entscheidung steht, ist natürlich die Wahrnehmung des Unternehmens im Vorfeld. Zum Beispiel durch crossmediale Kampagnen in den Bereichen Hochschulmarketing, Recruiting und Employer Branding. So ergab eine Umfrage, dass 74 Prozent der Studierenden gern via Werbeanzeigen über offene Stellen und Karrierewege informiert werden wollen, 46 Prozent bevorzugten (virtuelle) Karrieretage oder -messen. Social Media-Kanäle (39 Prozent) und Newsletter (23 Prozent) gehörten ebenfalls zu den präferierten Kommunikationswegen.

Für Indeed-Geschäftsführer Hensgens erlaubt die aktuelle Lage und der kleiner werdende Talentpool nur ein Fazit: Als Arbeitgeber müsse man heute deutlich mehr tun.

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