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HR-Interview: Kaja Gut von der REWE Group

Voraussichtliche Lesedauer: 5 Minuten

Die Corona-Krise macht es Arbeitgebern nicht leicht, mit potenziellen Nachwuchskräften direkt in Kontakt zu kommen. Kaja Gut, Expertin für Employer Branding bei der REWE Group, erzählt im Interview, wie sich ihr Unternehmen mit digitalen Events trotzdem erfolgreich präsentiert.

Frau Gut, im November 2020 fand zum ersten Mal der virtuelle Karrieretag der REWE Group statt. Wie geht man denn an die Planung eines Events heran, das sonst eigentlich offline stattgefunden hätte?

Nachdem klar war, dass wir längerfristig auf den persönlichen Kontakt zu Studierenden, Absolvent*innen und Young Professionals auf Präsenzveranstaltungen verzichten werden müssen, haben wir uns Mitte des Jahres auf die Suche nach einer ergänzenden virtuellen Möglichkeit gemacht. Wir haben verschiedene Anbieter verglichen und uns letztendlich Anfang September für eine Agentur entschieden, mit der wir zusammenarbeiten wollten. Los ging es mit der spezifischen Planung dann Ende September, Anfang Oktober. Da wir möglichst zeitnah eine virtuelle Möglichkeit für Interessent*innen bieten wollten, haben wir uns als Termin für die Umsetzung den 10. November gesetzt. Wir hatten also knapp 1,5 Monate Zeit für die Gestaltung des virtuellen Events, die Erstellung der Materialien und eine entsprechende Umsetzung.

Ein ziemlich straffer Zeitplan…

Absolut. Um die Präsenzveranstaltungen innerhalb der kurzen Zeit in eine adäquate digitale Version zu verwandeln, waren wir deshalb auch auf die Unterstützung unserer Kolleg*innen aus den Fachbereichen angewiesen. Zum Glück ziehen wir bei der REWE Group aber alle an einem Strang und konnten kurzfristig einige neue Materialien, Videos und Interviews erstellen und drehen. Unsere Kernfrage war: Welche Informationen sind für unsere Zielgruppe für einen ersten Einblick in die verschiedenen Fachbereiche der REWE Group vermutlich hilfreich und wie können wir diese kurz, prägnant und multisensorisch nahebringen? So haben wir zusammen mit den Fachbereichen sowohl Bilder, schriftliche Interviews und Präsentationen als auch Videos, Podcasts und sogar ein in der IT eigens entwickeltes REWE Mini-Game erstellt und eingebaut. Durch die Möglichkeit des persönlichen Video-Call-Kontaktes konnten wir am Tag des Live-Events die Veranstaltung dann erfolgreich durchführen und ein umfassendes Bild über die REWE Group, unsere Fachbereiche und die Unternehmenskultur unter den Kolleg*innen geben.

Was wurde den Teilnehmer*innen letztendlich ganz konkret geboten?

Die Studierenden – und auch alle anderen Interessierten – konnten sich eine ganze Woche lang in unserem virtuellen Raum umsehen und informieren. Dabei waren die Bereiche Einkauf, Human Ressources, Betriebswirtschaftliche Organisation, REWE Systems, Toom Baumarkt, PENNY International und Digital, Customer & Analytics vertreten. In Interviews wurden Karrierewege geschildert oder innovative Arbeitsmodelle wie unser Job-Sharing-Modell erläutert. In den Videos haben die Kolleg*innen teilweise aus verschiedenen Standorten sehr persönlich berichtet, was ihren Arbeitsalltag ausmacht und was Ihr Team besonders macht. Mittels Fact Sheets wurden Zuständigkeiten und Aufgabenbereiche erklärt. Am REWE Systems Stand konnten sich die Besucher*innen in einem REWE Mini-Game versuchen, welches von einer unserer Werkstudentinnen eigens entwickelt wurde. Das Ganze wurde durch eine ansprechende und für jeden Stand individuelle, bildliche Gestaltung abgerundet. Aus den Fenstern der virtuellen Messehalle war beispielsweise der Kölner Dom zu sehen.  Am 10. November 2020 bestand dann die Möglichkeit, in den persönlichen Austausch mit den Mitarbeiter*innen der REWE Group zu treten. Es waren den ganzen Tag Personen aus den Fachbereichen sowie aus unserem Recruiting-Center online und ansprechbar. So konnten fachliche Fragen und alles rund um den Bewerbungsablauf beantwortet werden.

Wie würden Sie den Tag rückblickend beurteilen? War er aus Ihrer Sicht ein Erfolg?

Auch für uns bringt die virtuelle Welt immer wieder neue Möglichkeiten. Der virtuelle Karrieretag war ein Pilotprojekt, um innovative Möglichkeiten zu testen, mit der Zielgruppe im Austausch zu bleiben. Rückblickend können wir – auch durch das Feedback, welches wir von den Teilnehmenden sowohl intern als auch extern erhalten haben – sagen, dass das virtuelle Event ein Erfolg war. Wir haben uns als Ziel gesteckt, eine ansprechende virtuelle Austauschplattform zu erstellen und dieses Ziel haben wir erreicht. Auch mit den Besucherzahlen sind wir sehr zufrieden.

Sind auch 2021 weitere virtuelle Karriere-Events geplant, die sich speziell an Studierende und Absolvent*innen richten?

Ja! Wir möchten auf unseren gesammelten Erfahrungen aufbauen und weitere virtuelle Events veranstalten. Diese sollen zielgruppenspezifisch, aber auch fachbereichsspezifisch ausgelegt sein. Wir haben einige Learnings aus dem ersten Event mitgenommen, die wir umsetzen möchten. In der virtuellen Welt ist so gut wie alles möglich und wir möchten diese kreative Freiheit so gut wie möglich nutzen, um Interessierten den bestmöglichen Einblick in die REWE Group zu bieten.

Virtuelle Events haben viele Vorteile, doch können sie aus Ihrer Sicht die Qualität stationärer Messen vollständig ersetzen?

Natürlich ist ein großer Vorteil die Unabhängigkeit und Flexibilität, sowohl für Teilnehmer als auch für Aussteller. Trotzdem möchten wir durch die virtuellen Events unsere Präsenzveranstaltungen nicht vollständig ersetzen, sondern diese sinnvoll ergänzen. Es sollten Synergien geschaffen und die Vorteile beider Veranstaltungsarten genutzt werden. So bieten stationäre Messen mehr Möglichkeiten der multisensorischen Ansprache. Außerdem hinterlässt ein persönliches Gespräch mit „echtem“ Augenkontakt meiner Meinung nach immer noch ein anderes Gefühl als die Sicht durch die Notebook-Webcam. Zudem sind auch immer ein bisschen Imagearbeit und ein gewisser Vergleich mit dem Benchmark dabei, wenn man sich unter anderen Ausstellern auf Messen zeigt. Man kann den Besucher*innen etwas mitgeben – seien es Give-aways, um im Kopf zu bleiben, oder Kontaktdaten für Bewerbungen. Als Aussteller kann man nach einer Präsenzmesse meist ganz gut einschätzen, ob diese sinnvoll und erfolgsversprechend war und spannende Kandidaten dabei auf das eigene Unternehmen aufmerksam geworden sind oder nicht. Bei virtuellen Events ist die Einschätzungviel schwieriger.

Die Corona-Krise ist eine Herausforderung. Doch betrachtet man diese bei der REWE Group vielleicht zum Teil auch als Chance?

Die Corona-Krise hat uns keine andere Wahl gelassen, als neue Wege einzuschlagen – und das sofort und kompromisslos. Denn den Kontakt zu unserer Zielgruppe zu verlieren, war für uns keine Option. Da wir die Schwierigkeiten bisher erfolgreich meistern konnten und innovative, virtuelle Lösungen gefunden haben, die wir sicher auch nach der Pandemie weiterhin anwenden werden, kann man sagen, dass wir uns der Krise bestmöglich angepasst haben. Diese Krise als Chance zu bezeichnen fällt mir allerdings schwer. Aber sicherlich hat sie uns dazu bewegt, digital weiterzudenken.

Viele Studierende sind aktuell der Meinung, die Zeit für einen Berufseinstieg ist denkbar schlecht. Dass Unternehmen gerade nicht beziehungsweise kaum neue Mitarbeiter*innen einstellen. Ist dies bei der REWE Group der Fall?

Bei uns besteht weiterhin Bedarf. Wir sind bislang sicher durch die Krise manövriert und haben während der gesamten Pandemie auch weiterhin Stellen ausgeschrieben. In unserer Konzernzentrale in Köln sind aktuell rund 100 Stellen vakant und das in den verschiedensten Einstiegspositionen und Bereichen. Egal ob als Praktikant*in, Werkstudent*in, Trainee oder im Direkteinstieg, im Rechnungswesen, der Strategie, der Nachhaltigkeit, der Logistik, HR, Einkauf, IT oder Controlling – hier ist wirklich für jeden etwas dabei. Die Vakanzen werden täglich aktualisiert, es lohnt sich also, reinzuschauen.

Haben auch Sie etwas Interessantes aus der Welt von Personalmarketing, Employer Branding oder Recruiting auf Lager und möchten davon in einen Interview erzählen? Dann schreiben Sie uns gern eine Mail an redaktion@advising-solutions.com.

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